Der etwas andere Blick auf den Arbeitsmarkt im August

Man kann die Bilanz des Arbeitsmarkts im August von der Arbeitsagentur ja auch mal anders lesen als gewohnt: Es gibt mehr als 34.000 „Bedarfsgemeinschaften“ (Hartz IV ), das sind mehr als 60.000 Menschen, die vom Jobcenter betreut werden, also Langzeitarbeitslose mit „Alg II“. 32 Prozent aller Arbeitslosen sind Ausländer. Es gibt 28.410 Menschen, die in der Rubrik „Unterbeschäftigung“ auftauchen, also in Qualifizierungen, Maßnahmen etc. stecken, also auch ohne festen Job sind. So gesehen ist die Quote von 8,9 % und die Zahl von offiziell 48.855 Arbeitslosen doch irgendwie euphemistisch.

Bei den „arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen“ sind 1317 in der „Aktivierung und beruflichen Eingliederung“, 1199 in der „beruflichen Weiterbildung“. Bei Hartz IV muss zudem die hohe Zahl der „Aufstocker“ berücksichtigt werden, also jener, die nicht von ihrem geringen Gehalt aus einem Job leben können und trotz Job staatlich unterstützt werden. Das Problem ist nicht nur, dass diese Menschen keine Arbeit haben. Menschen ohne Arbeit sind irgendwann ein dicker Posten für die Sozialkassen, die Allgemeinheit muss Millionen dafür bezahlen, Menschen mit zu geringer Rente mit „Grundsicherung“ zu unterstützen.

Sehr erfreulich ist allerdings, dass die Jugendarbeitslosigkeit so gering ist, nur 286 der Arbeitslosen sind zwischen 15 und 20 Jahre alt, das sind laut Arbeitsagentur nur 1 Prozent. Werden die 15 bis 25-Jährigen gezählt, sind es 1877 oder 7,1 Prozent.

Die Arbeitsagentur bilanziert, ihrem Auftrag aus der Zentrale gemäß, 48.855 Arbeitssuchende und sieht den Arbeitsmarkt „trotz Wirtschaftssanktionen (gegen Russland, die Redaktion) weiterhin stabil“, und „Nach wie vor ist der Bedarf an Fachkräften insbesondere bei Dienstleistern und im Handwerk hoch“, so Johannes Pfeiffer, Chef der Düsseldorfer Agentur für Arbeit. „Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren ist gegenüber dem letzten Monat leicht um 18 Personen auf 1.877 junge Frauen und Männer gesunken.“

Übrigens: Es gibt einige Wirtschaftswissenschaftler (die nicht neoliberal denken), die eine Krise der Wirtschaft nicht nur wegen der Restriktionen Richtung Russland sehen – der private Konsum ist ein Problem, die hohe Arbeitslosigkeit (vor allem bei der Jugend) in EU-Ländern wie Spanien, Griechenland und Italien ebenso. Aber das ist ein anderes Thema (ich empfehle dazu etwa Prof. Heiner Flassbeck – http://www.flassbeck-economics.de/was-im-august-wichtig-war/).

Noch Chancen für Jugendliche auf dem Ausbildungsmarkt

Von Oktober bis August haben die Betriebe und Verwaltungen 4.634 Berufsausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet, rund sieben Prozent oder knapp 300 Ausbildungsstellen mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig meldeten sich 3.597 junge Menschen, die eine Ausbildungsstelle suchen. Das waren gut 12 Prozent oder rund 400 Bewerberinnen und Bewerber mehr als vor einem Jahr. Das heißt, rein rechnerisch kommen auf 100 Bewerber noch 170 freie Ausbildungsstellen. Damit ist die Situation in Düsseldorf traditionell deutlich günstiger als sonst in NRW.

Zurzeit suchen in Düsseldorf noch 602 junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Wer sich noch nicht um eine Ausbildungsstelle bemüht hat, sollte sich an die gebührenfreie Hotline Tel 0800 4 5555 00 wenden, um einen Termin bei der Berufsberatung zu vereinbaren. Aktuell sind der Agentur für Arbeit Düsseldorf noch rund 1.000 unbesetzte Ausbildungsstellen in 90 verschiedenen Berufen gemeldet.

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