Aufklärung über Jugendliche und Neosalafisten

Angesichts der Situation, dass zurzeit 400 junge Menschen aus Deutschland (darunter aus NRW: 140) in Syrien und dem Irak kämpfen und sich als Salafisten bezeichnen, will die Evangelische Stadtakademie über das Phänomen des Neosalafismus aufklären und damit auch dazu beitragen, dass junge Menschen nicht Opfer der Neosalafisten werden.

Das Seminar „Neosalfismus – Ideologie und Prävention“ beginnt am Mittwoch, 3.September, um 19 Uhr im Haus der Kirche, Bastionstraße 6, Düsseldorf-Carlstadt. Der Eintritt ist frei. Referenten sind Dr. Klaus Spenlen, Heinrich-Heine-Universität, und Dirk Sauerborn, Hauptkommissar bei der Düsseldorfer Polizei. Das Seminar richtet sich an alle, die mit potentiell gefährdeten Jugendlichen zu tun haben.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Islam Bestrebungen, den Bedeutungsverlust des Islam zu stoppen. In diesem Kontext plädierten Muslime, sich auf die Wurzeln des Islam zu besinnen. Neuerungen sollten ausgeschlossen werden, das religiöse Leben des 7. Jahrhunderts nicht ins 20. Jahrhundert transportiert werden. Vertreter dieser Strömung nannten sich Salafisten. Heutzutage gibt es eine neuere Strömung, die dieses Ziel offensiv, aggressiv, missionarisch durchsetzen möchte und dabei gesellschaftliche Veränderungen mit Gewalt herbeiführen will: das sind die Neosalafisten.

In Düsseldorf ist das Auftreten der Neosalafisten kein weit verbreitetes Phänomen, so Dirk Sauerborn von der Polizei. Doch, so berichtet Yvonne Stegmann vom Evangelischen Schulreferat, sei in der Schule zu beobachten, dass Schüler sich radikalisieren.

Stegmann hat das zum Beispiel im Kontext antisemitischer Äußerungen von Schülern auf Facebook festgestellt. Dort berichtet ein Schüler, dass er im Urlaub die „Brüder in Syrien und im Irak unterstützen möchte“. Stegmann: „Das schreibt ein Schüler, der hier in der Gesellschaft groß geworden ist“, sich aber offensichtlich von dieser Gesellschaft nicht wertgeschätzt fühlt.

Das sieht auch der an der Heinrich-Heine-Universität lehrende Erziehungs- und Sozialwissenchaftler Klaus Spenlen so: „Jugendliche lassen sich von den Neosalafisten anwerben, weil sie dort Wertschätzung erfahren, die sie zuvor möglicherweise nie erfahren haben. Sie werden als Erwachsene akzeptiert, was sie im ihrem Umfeld vorher nicht wurden. Ihre Suche nach Sinn und ihre Suche nach Aufgaben werden auf einmal ernst genommen.“

So tappen muslimische Jugendliche in die Radikalisierungsfalle. In der Schule ändern sie ihr Verhalten. Sie treten auf einmal als streng religiös auf, bedrängen andere muslimische Jugendliche.

Das Problem sollte in der Schule ernst genommen werden, fordert Schulreferentin Yvonne Stegmann: „Das muss in den Unterricht einfließen. Da muss man auf die Lehrpläne schauen und auch die religiöse Bildung stärken.“

Gleichzeitig müsse in der Gesellschaft differenziert auf Muslime gesehen werden, sagt Dirk Sauerborn von der Düsseldorfer Polizei. Der Kontaktbereichsbeamte zu den Muslimen warnt: „Neo- oder Pseudosalafisten wollen Menschen, die zum Islam gehören, instrumentalisieren und missbrauchen.“ Differenziertes Hinschauen helfe weiter.

Die Mehrzahl der Muslime sei nicht neosalafistisch gesonnen. Sauerborn setzt auf Aufklärung und auf Projekte, die gemeinsam mit Muslimen durchgeführt werden.

So berichtet Sauerborn von dem Projekt „Musilm open mind“, in dem 40 Imame unter dem Motto „Gemeinsam stark für die Demokratie! Gemeinsam stark gegen Extremismus!“ mit den unterschiedlichsten Behörden vom Jugendamt bis zur Arbeitsagentur kooperieren und für eine gesellschaftliche Öffnung der Moscheen einsetzen und so auch gefährdete Jugendlichen in ihren Gemeinden helfen möchten.

Darauf möchte der Abend bei der Evangelischen Stadtakademie hinarbeiten: Aufklärung über die Neosalafisten, aber auch Möglichkeiten aufzeigen, wie sich verhindern lässt, dass Jugendliche Opfer der Neosalafisten werden.

Der Sozialwissenschaftler Spenlen betont dabei die Rolle des Werte- und Religionsunterrichts. Hier solle man sich auch mit den religiösenTexten auseinandersetzen, auf die sich die Neosalafisten berufen. Aber auch Videos mit den Reden neosalafistischer Prediger sollten mit Schülern analysiert werden. Denn auch das gehöre zu dem Phänomen, dass sich die Botschaften der Neosalafisten über Videos und Internetportale verbreiten.

Generell gehe es um die Frage: „Wie schaffen wir es als Gesellschaft, Jugendliche stark werden zu lassen“, so Spenlen. Wenn da der Abend in der Evangelischen Stadtakademie wirke wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird und Wellen schlägt, sei schon einmal ein Anfang gemacht.

Termin: Das Seminar „Neosalfismus – Ideologie und Prävention“ beginnt am Mittwoch, 3.September, um 19 Uhr im Haus der Kirche, Bastionstraße 6, Der Eintritt ist frei. Referenten sind Dr. Klaus Spenlen, Heinrich-Heine-Universität, und Dirk Sauerborn, Hauptkommissar bei der Düsseldorfer Polizei.

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