Jaja, wir Rheinländer ….

(Foto © Jo Achim Geschke)

Das Rheinische Literaturarchiv beleuchtet ab dem 14. September das literarische und kulturelle Leben zur Zeit des Kaiserreichs. Im Jahr 1900 erschien erstmals die Kultur- und Kunstzeitschrift „Die Rheinlande“. Mit dem neuen Periodikum wollten sich die im Rheinland ansässigen Künstlerinnen und Künstler gegen die kulturelle Dominanz der Reichshauptstadt Berlin zur Wehr setzen. 1904 gründete sich der „Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein“, der fortan unter anderem als Träger der Zeitschrift fungierte. Ab Sonntag, 14. September, rücken Zeitschrift und Verband in Düsseldorf wieder in den Mittelpunkt, wenn das Rheinische Literaturarchiv des Heinrich-Heine-Instituts unter dem Titel „Wir ungereimten Rheinländer …“ das literarische und kulturelle Leben im Rheinland zur Zeit des Kaiserreichs beleuchtet.

„Ungereimtes“, aber zeittypisches Panorama

Der Tradition verhaftete Literaten, Künstlerinnen und Künstler wie Clemens Buscher, Richard Dehmel, Hermann Hesse, Ferdinand Hodler, Detlev von Liliencron, Theodor Rocholl, Hans Thoma oder Clara Viebig veröffentlichten Beiträge in den „Rheinlanden“. Ebenso waren in der von Wilhelm Schäfer herausgegebenen Publikation fortschrittliche Künstlerpersönlichkeiten wie Max Clarenbach, Walter Hasenclever, Peter Hille, Wilhelm Lehmbruck, Heinrich Nauen, Walter Ophey, Robert Walser oder Paul Zech vertreten. Daneben fanden selbst ausgewiesene Reaktionäre wie Guido von List ihren Platz in den „Rheinlanden“.

„Die Zeitschrift bietet zu unserem Bild der Epoche rund um 1914 ein wohl ‚ungereimtes‘, aber zeittypisches Panorama der Literatur, das Reform und Revisionismus vereinte – genau jene Melange zwischen aggressiver Rückwärtsgewandtheit und Zukunftsfreude, der auch der Erste Weltkrieg entsprang“, sagt Prof. Dr. Thomas Schleper, Leiter des LVR-Verbundprojektes. „Die Rheinlande“ spiegeln dabei das kulturelle Leben im gesamten Rheinland jener Zeit wider. Denn der Einzugsbereich von Zeitschrift und Verband waren die Anrainergebiete des Rheins von der Quelle bis zur Mündung, sogar in der Schweiz existierten noch Zweigstellen.

„Die Rheinlande“ als zentrales Element

Die umfangreiche, intermedial aufbereitete Ausstellung im Heinrich-Heine-Institut vollzieht – mit der Zeitschrift und ihren Inhalten als Hauptstrang – die Verästelungen und Feinvernetzungen kultureller Kreise und Aktivitäten nach. Zwangsläufig rücken dadurch auch andere literarische Kristallisationspunkte der damaligen Zeit wie beispielsweise das Düsseldorfer Schauspielhaus mit seinen „Morgenfeiern“, das Düsseldorfer „Rosenkränzchen“ oder der „Frauenbund zur Ehrung rheinischer Dichter“ mit seinem Literaturpreis in den Mittelpunkt. Damit richtet die Ausstellung ein soziologisch motiviertes Interesse auf die politisch-ökonomische Infrastruktur des kulturellen Lebens am Rheinland. Sie demonstriert dabei, wer in diesem Zeitraum mit wem zu welchen Zwecken – vermittelt durch das Medium der Literatur und Kunst – kommuniziert und interagiert hat. „Die Ausstellung veranschaulicht das literarische Leben vor 100 Jahren. Sie zeigt, wie Literatur erfahren, inszeniert und zelebriert wurde“, sagen Dr. Sabine Brenner-Wilczek und Dr. Enno Stahl, die Kuratoren der Ausstellung.

Rekonstruktion historischer Ereignisse

Tatsächlich ist momentan noch wenig bekannt über literarische Interaktionsräume, Lesungen, Diskussions- und Vortragsveranstaltungen, eventuelle literarische Zeitschriften oder Buchhandel und Bibliothekswesen in jener Zeit, aber auch über die intermedialen Verbindungen der Literatur zu den anderen Künsten. Beim „Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein“ waren Ausstellungseröffnungen, Vorstandstreffen, Frühlingsfeste, General- und Mitgliederversammlungen gesellschaftliche Ereignisse, die mit großem Dekor begangen wurden. Besichtigungen und Studienreisen, gepaart mit üppigen Festessen standen ebenfalls auf der Tagesordnung, wie etwa 1914 in der Villa Hügel in Essen. Dieses historische Ereignis rekonstruiert die Ausstellung mit einer begehbaren Installation und einer sinnlich erfahrbaren Wiedergabe der Tafelfolge.

Gleichzeitig geht sie einer bis heute präsenten Streitfrage nach: Welches Rheinland meinten die Gründungsväter der Zeitschrift? Mit einer begehbaren Installation, historischen Karten des Rheinlandes sowie zahlreichen Archivalien wird das Rheinlandbild der „Rheinlande“ thematisiert und problematisiert.

Deutschlandweit einzigartiges Verbundprojekt

Die Ausstellung „Wir ungereimten Rheinländer…“, die noch bis zum 30. November in Düsseldorf zu sehen ist, ist Teil des in dieser Form in Deutschland einzigartigen Verbundprojektes „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“. Noch bis Mitte 2015 erinnert der Landschaftsverband Rheinland damit an die geschichtsträchtige Epoche vor rund 100 Jahren. „Seit vielen Jahren arbeiten die Düsseldorfer Kulturinstitute eng mit dem LVR zusammen, um gemeinsam herausragende Projekte umzusetzen“, sagt Hans-Georg Lohe, Kulturdezernent der Stadt Düsseldorf. „Durch die Förderung des Rheinischen Literaturarchivs im Heinrich-Heine-Institut besteht eine besonders enge Verbindung zum LVR. Die Beteiligung des Heinrich-Heine-Institutes an diesem Großprojekt ist ein weiterer Akt in dieser überaus erfreulichen Kooperation.“

Gefördert wird die Ausstellung vom Kultursekretariat NRW, dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland und der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf.

Infos zur Ausstellung

Laufzeit: 14. September bis 30. November 2014, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Samstag, 13 bis 17 Uhr, Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf,
Bilker Straße 12-14

Eintrittspreise: Erwachsene 4 Euro, ermäßigt 2 Euro; Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei; Happy Hour: ab 16 Uhr kostenloser Eintritt;

Preise für Gruppen und Führungen auf Anfrage, Buchung und Information:
Heike Moritz, heike.moritz@duesseldorf.de, Tel. 0211.89-95588

www.duesseldorf.de/heineinstitut

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