Beim Sprinterwerk könnten 1700 Arbeitsplätze wegfallen

(Sorgenvolle Gesichter (von links) bei Bernd Kost, IG Metall Vertrauensmann bei Daimler, Nihat Öztürk, IG-Metall 1. Bevollmächtigter, Volker Consoir, IG Metall, Thomas Weilbier, Betriebsratsvorsitzender Daimler Sprinterwerk, Foto © Jo Achim Geschke)

Bei einem der größten Arbeitgeber Düsseldorfs und einem der größten Industriewerke in NRW droht Arbeitsplatzabbau. Beim Sprinterwerk in der Rather Straße könnten bis zu 1500 Mitarbeiter entlassen werden, sagte am Montag Thomas Weilbier, Betriebsratsvorsitzender Daimler Sprinterwerk. Grund sind die Pläne der Mercedes-Konzernleitung, die Produktion für den amerikanischen Markt in die USA zu verlagern. Dabei ist er der Verkaufsschlager, ein Renner: Der Sprinter – Transporter von Mercedes, von dem im Werk Derendorf täglich rund 725 gebaut werden. Die Auswirkungen einer solchen Verlagerung könnten für die Stadt ganz erheblich sein. OB Thomas Geisel will Mittwoch das Daimlerwerk besuchen, kündigte Nihat Öztürk, längjähriger IG-Metallvorsitzender in Düsseldorf, an.

„Die Kollegen sind heiß“, schildert Bernd Kost, IG-Metall Vertrauensmann beim Mercedeswerk in Derendorf. Oder wie Volker Consoir (IG Metall) es formuliert: Nach einer langen, sechsstündigen Betriebsversammlung überwiegen bei den Kollegen Wut und große Betroffenheit.

Anlass ist der Plan der Geschäftsführung, die Sprinter für die USA auch in Amerika bauen zu lassen. „Wir sind im hiesigen Werk ausgelastet, fahren drei Schichten“, täglich rollen 725 Wagen aus der Produktionshalle, berichtet Betriebsratsvorsitzender Thomas Weilbier, und Öztürk ergänzt: „Das Werk ist exorbitant profitabel“. Obwohl der Sprinter teurer sei als andere Kleintransporter, sei er Marktführer.

Nicht auf Kosten der Belegschaft

Betriebsrat Weilbier hat Verständnis dafür, dass man ein Produkt dort produzieren wolle, wo der Markt sei. Aber : „Das darf nicht auf Kosten der Belegschaft gehen!“ Bei insgesamt rund 6500 Beschäftigten solle wegen der USA-Produktion eine von drei Schichten wegfallen, plane der Vorstand. Das seien dann 1500 bis 1700 Arbeitsplätze, so Weilbier. Die Werksführung habe von 1000 Kollegen gesprochen, ergänzt Consoir, aber dabei seien die Leiharbeiter nicht mit gezählt.

Die Entscheidung im Vorstand der Mercedes-Zentrale soll im Oktober fallen, sagt Weilbier. Zuvor hoffe der Betriebsrat, den Vorstand von der Entscheidung abbringen zu können. „Wir haben die besseren wirtschaftlichen Argumente“, betont er.

Thomas Weilbier, Betriebsratsvorsitzender

( Thomas Weilbier, Betriebsratsvorsitzender Daimler Sprinterwerk, Foto © Jo Achim Geschke)

Die Sprinter für die USA (rund 26.000) werden vom Düsseldorfer Hafen per Schiff nach Rotterdam gebracht, für den Export zerlegt und in Container verpackt. Das sei nötig, weil sonst Einfuhrzölle von 25 % in den USA erhoben würden, erläutert Weilbier. Die Zeitverzögerung dadurch könne man aber durch eine andere Organisation aufheben. In den USA sei zudem der Markt sehr klein, rund 9 Prozent des Markts beherrscht der Sprinter. In den USA eine Produktion aufzubauen mit viel Geld beruhe auf der Hoffnung, dass der Markt dort wächst. Passiere das nicht ….

Dazu kommt, dass ab nächstem Jahr auch kein VW Crafter, der bisher auch in Derendorf produziert wurde, mehr vom Band läuft, der Vertrag mit VW läuft aus. „Die Frage ist, ob ein Werk hier, der die USA-Produktion fehlt, nach Jahren noch profitabel ist. Denn die Fixkosten bleiben ja bestehen“, mahnt Consoir von der IG Metall. Und dann werde das Werk in Düsseldorf zu gemacht, fürchten die Metaller.

Auswirkungen auf die ganze Stadt

Das hätte erhebliche Auswirkungen: Zum einen bei den Arbeitskräften der Zulieferer. Und bei der Spedition Mosolf, die die Sprinter per Schiff Tag für Tag aus dem Hafen verschifft. „Für jeden industriellen Arbeitsplatz der wegfällt, fallen auch 2,7 andere fort“, macht Öztürk klar.

Das dürfte OB Thomas Geisel und den Kämmerer wegen des städtischen Etats 2015 gar nicht freuen. Das Mercedes–Werk als einer der größten Arbeitgeber in Düsseldorf ist ein großer Steuerzahler für die Stadt, und weniger Mitarbeiter heißt auch weniger Lohnsteuerberechnung und weniger Konsum in den Geschäften der Wohnviertel.

„Die Kollegen sind heiß wie Frittenfett“, macht Bernd Kost die Stimmung im Sprinterwerk drastisch deutlich. Manche arbeiten dort in der dritten Generation, sind stolz, Qualität zu bauen. Das Aktionen gegen den Arbeitsplatzabbau folgen werden – daran lassen die IG-Metaller keinen Zweifel. Ob sie mit einer Sprinter-Tageproduktion durch die Straßen rollen oder etwas anderes planen – das wollen sie denn doch noch nicht verraten…

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