Arbeitsmarkt: Die Zahlen hinter den Zahlen

(Foto In der Baubranche geht’s wohl bald voran mit Arbeitsplätzen, Foto © Jo Achim Geschke)

Es ist der berühmte Wermutstropfen: Liest man in der Statistik der Arbeitsagentur die Zahlen hinter den „Fettgedruckten“, klingt die Arbeitslosenstatistik etwas deprimierend. Nüchtern gelesen, zeigt sich, dass immer noch über 30.000 Menschen ohne Arbeit sind. Allerdings: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen , die sich nach dem Schulabschluss oder der Lehre arbeitslos gemeldet hatten, sind inzwischen an den Hochschulen oder in einem Job. Daher ist vor allem die Jugendarbeitslosigkeit (15 bis unter 25 Jahren ) auf 5,7 % zurück gegangen. Aber auch wenn die Arbeitsagentur optimistisch meldet, „Die Arbeitslosigkeit ist in der Landeshauptstadt Düsseldorf kräftig gesunken und lag im zweiten Monat in Folge unter den Vorjahreswerten. Gegenüber August nahm die Zahl der Arbeitslosen um 924 Personen auf 27.523 Frauen und Männer ab“ – und das hat sich leider seit Jahren kaum geändert.

63.117 Menschen mit Hartz IV

Das reguläre Arbeitslosengeld erhielten im September 6984 Menschen. Außerdem bestehen aber noch 33.937 „Bedarfsgemeinschaften“, also Familien, Paare oder Singles, die Alg II bekommen, auch bekannt als Hartz IV – das sind 63.117 Menschen. Davon bestehen 20.139 „Bedarfsgemeinschaften aus einer Person. Und die Statistik wäre nicht komplett ohne die Rubrik „Unterbeschäftigung“. Die Arbeitsagentur formuliert das so: „In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teil einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind.“ Und weiter heißt es, dies seien Personen, „denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt.“ Auf Deutsch: Es sind 27.825 Menschen, die nicht regulär arbeiten, davon sind rund drei Viertel arbeitslos.

Insgesamt hat die Arbeitslosigkeit inklusive Langzeitarbeitslosen einen Stand, er sich seit 2012 kaum verändert hat. Bedenklich ist dabei, dass der Sockel an Langzeitarbeitslosen seit über zwei Jahren fast gleich geblieben ist. 7232 Menschen werden von der Arbeitsagentur betreut, 20.291 Menschen vom Jobcenter, heißt: sie erhalten Hartz IV.

Rückgang der angebotenen Stellen

Im September wurden 1.699 neue offene Stellen für eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt gemeldet, 18 weniger als im August und 54 mehr als vor einem Jahr. Am Monatsende standen noch 4.808 offene Stellen für eine Besetzung zur Verfügung. Gesucht werden weiterhin alle Qualifikationen – vom Fachhelfer bis zur Führungskraft. Die Schwerpunkte lagen in den Berufsgruppen Verkaufsberufe, Hotel- und Gaststättenberufe, Call Center Agents, medizinische Gesundheitsberufe, Büroberufe, Verkehr- und Logistikberufe, Mechatronik-, Energie- und Elektroberufe, Berufe in Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung und IT-Berufe. Bei einigen Berufen wie zum Beispiel bei Ingenieuren, Fachkräften für Metall und Elektro, Köchen sowie in der Pflege und in der IT-Branche ist es anhaltend schwierig, den Bedarf an Arbeitskräften zu decken.

Drei von vier der neuen offenen Stellen wurden für unbefristete Tätigkeiten gemeldet. Der weitaus größte Teil aller Stellen waren Vollzeitstellen.

Drohender Verlust von Arbeitsplätzen

Im März 2014 dem letzten Quartalsstichtag mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf 378.353. Am ungünstigsten war die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe (–1.637 oder –4,4%).

Zudem gehen Arbeitsplätze bei SMS verloren, und beim Mercedes-Sprinterwerk drohen, wie berichtet, mindestens 1700 Arbeitsplätze im nächsten Jahr verloren zu gehen.

So äußert denn auch Petra Neu, Geschäftsführerin Operativ in der Arbeitsagentur Düsseldorf, einige Sorge. . „Wenn in den nächsten Monaten nichts Außergewöhnliches passiert, rechne ich mit einem weiteren moderaten Rückgang der Arbeitslosigkeit. Mit Sorge sehe ich aber auch die aktuellen Signale zum partiellen Rückzug der Industrie aus Düsseldorf. Wir brauchen in unserer Region industrielle Arbeitsplätze. Der breite Branchen-Mix in Düsseldorf hatte uns in der letzten Krise 2008/2009 vor größeren Arbeitsplatzverlusten bewahrt“, so Neu.

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