Wohlfahrtsverbände: Willkommen für Flüchtlinge

(Foto © Jo Achim Geschke)

„Sie kommen wegen fehlender Perspektiven und aus wirtschaftlicher Not, Gründe, die ja unsere Vorfahren nach Amerika gebracht haben.“ Mit diesem Satz erinnerte Ronald Vogel vom DRK als Sprecher der Liga der Wohlfahrtsverbände daran, das wir Flüchtlingen wie damals solidarisch helfen müssen, hier ihr Leben zu organisieren. Doch ein Asylantrag wird durchschnittlich nach 48 Monaten – vier Jahren – endgültig bearbeitet. Die Wohlfahrtsverbände (Diakonie, Caritas, DRK, Der Paritätische, die Awo) haben am Donnerstag Nachmittag ein gemeinsames Positionspapier zur Flüchtlingshilfe vorgestellt. Sie wollen den Flüchtlingen in Düsseldorf ein Willkommen bieten, den oftmals traumatisierten menschenwürdige Unterkünfte und Lebensbedingungen schaffen, ohne das Flüchtlinge manchmal 12 Jahre und mehr auf die Anerkennung und ein Bleiberecht warten müssen. Ein wieteres Problem: Asylbewerber können erst nach neun Monaten einen Deutschkurs besuchen, der dringen nötig ist auf dem Weg zur Integration.

Sie kommen aus 54 Ländern hierher – eine erschreckende Zahl, wenn man bedenkt, in wie vielen Ländern Menschen nicht mehr leben wollen oder – als Verfolgte – leben können. meinte Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke (SPD). Und sie mahnte: „Es wird normal sein, dass Menschen hierher kommen und Sicherheit suchen“ in ihrem Grußwort vor rund 100 Zuhörern im Stiftssaal von St. Lambertus.

Die Flüchtlinge kommen aus Syrien, Afghanistan, aus Eritrea und anderen afrikanischen Staaten, oder aus dem Irak, oder als verfolgte Roma aus dem Balkan. „Flüchtlinge verlassen nicht freiwillig ihre Heimat, und wie sie hier aufgenommen werden, formt auch ihre Motivation, sich bei uns einzuleben“ betonte Daniela Bröhl (Diakonie), die mit Bettina Hajdu (Caritas) das Programm der Verbände erläuterte. Die Verbände wie Diakonie, Caritas oder Awo bieten seit langem Hilfe und Unterstützungen für Flüchtlinge an. Doch durch die katastrophalen Geschehnisse in Syrien, im Irak oder auch Eritrea hat die Zahl der Flüchtlinge enorm zugenommen. OB Thomas Geisel hatte, wie berichtet, bereits einen ersten „Runden Tisch“ zur Flüchtlingsfrage einberufen. Die 2. Sitzung ist am 18. November.

KL Bettina Hajdu Caritas u Daniela Bröhl Diakonie

(Foto Bettina  Hajdu/  Daniela Bröhl/ © Jo Achim Geschke)

Doch die Bürokratie, das wurde deutlich, ist weit davon entfernt, für schnelle Integration zu sorgen. „Ich betreue einen Asylbewerber, der seit 19 Jahren schon hier lebt und noch immer kein Asylverfahren hat“, berichtete eine Mitarbeiterin der Caritas. Das durchschnittliche Verfahren zu einem Asylantrag dauert in Düsseldorf 48 Monate, so Bröhl.

1716 Menschen sind zur Zeit in größeren Unterkünften in der Stadt untergebracht. Sie bleiben zwischen sechs Monaten und – kaum zu fassen – bis zu zwölf Jahren in diesen Unterkünften, in denen sie oft auf engstem Raum mit anderen aus für sie fremden Ländern zusammen leben müssen.

. Die Wohlfahrtsverbände betonten, dass sie nicht fordern, „wir setzen uns für etwas ein“, formulierte Bröhl.

Dennoch sind es Forderungen:

Nach größeren Wohnungen, dass die Unterbringung in Hotels abgeschafft wird, dass Flüchtlinge höchstens ein Jahr lang in Sammelunterkünften bleiben.

Aber auch wenn die Wohnungswirtschaft etwa im „Runden Tisch“ beteiligt ist und Hilfe zugesagt hat, dürfte es beim gegenwärtigen Mangel an bezahlbarem Wohnraum schwierig sein, diese Forderung bald zu erfüllen.

Die Verbände wollen zudem mehr psychosoziale Beratung für die oft traumatisierten, unter Verfolgung, Folter und Schlimmeren leidenden Flüchtlinge. Es soll mehr Personal in Verwaltung und Unterkünften geben. Frauen, die oftmals unter den Folgen von Vergewaltigungen leiden, sollen besser untergebracht und betreut werden.

Ein großes Problem: Asylbewerber können frühestens nach neun Monaten Sprachkurse besuchen. Wenn sie nur eine „Duldung“ bekommen, also ihr Verfahren nicht abgeschlossen ist, erst nach 12 Monaten. Die Verbände fordern daher, das Deutschkurse für alle in den Unterkünften ermöglicht werden. Dass das Arbeitsverbot aufgehoben wird.

 

Der Bund muss mehr Kosten tragen

Das alles hängt aber nicht nur am Willen zu einem Willkommen: Die Kosten für die Aufnahme von Flüchtlingen wurde von der Bundesregierung auf Land und Kommunen abgewälzt. Das Land zahlt zwar nach einem Flüchtlingskonzept der Landesregierung rund 25 Prozent mehr, was für Düsseldorf etwa 3 bis 4 Millionen Euro ausmacht. Doch der Städtebund fordert für alle Kommunen mehr finanzielle Unterstützung vom Bund für die Kosten zur Unterbringung und etwa der medizinischen Versorgung. Am 11. Dezember wollen Bund und Länderchefs erneut darüber verhandeln.

Ein weiteres Problem: Die Flüchtlings-Kinder – in Düsseldorf mehr als 600 – müssen in den Schulen untergebracht werden. Doch die haben, wie berichtet, schon jetzt erhebliche Raumnöte. Und wo in Düsseldorf, wo bisher jahrelang die Schaffung bezahlbarer Wohnungen versäumt wurde, noch Wohnungen für Flüchtlinge gefunden werden können, ist auch keine leicht zu lösend Frage.

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